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So prüfst du, ob ein Bild echt ist

- Hamburg, Germany
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2022 war die Idee, mit ein paar Wörtern ein fotorealistisches Bild zu erzeugen, noch Science-Fiction. Inzwischen ist sie Alltag.

KI-generierte Bilder hatten anfangs einen bestimmten Look: Finger, die in die falsche Richtung zeigten, Augen, die nicht zusammenpassten, wächserne Haut, zu perfekte Ausleuchtung. Die meisten Menschen verlassen sich bis heute auf ihre Intuition, um echte von generierten Bildern zu unterscheiden. Doch die Modelle werden besser, die verräterischen Fehler seltener.

Wie lässt sich feststellen, ob ein Bild echt ist? Google bietet seit Ende 2025 eine technische Antwort.

Die Gemini-App kann prüfen, ob ein Bild von Google KI generiert wurde1. Die Funktion basiert auf SynthID, Googles Wasserzeichen-Technologie, die unsichtbare Signale in KI-generierte Inhalte einbettet.

Wie SynthID funktioniert

SynthID ist keine nachträgliche Markierung wie ein Stempel oder Metadaten, die sich leicht entfernen lassen. Das Wasserzeichen wird während der Generierung direkt in den Inhalt eingebettet2.

Bei Bildern arbeiten zwei neuronale Netze zusammen: Das erste verändert einzelne Farbwerte so minimal, dass das menschliche Auge keinen Unterschied sieht. Das zweite erkennt diese Veränderungen auch nach typischen Bearbeitungen wie Zuschneiden, Kompression oder Screenshots3.

Bei Text passt SynthID die Wahrscheinlichkeitsverteilung der nächsten Wörter so an, dass ein Muster entsteht: unsichtbar für Leser, erkennbar für einen trainierten Detektor4.

Bei Videos wird jedes Frame einzeln markiert. Bei Audio wird die Wellenform in ein Spektrogramm umgewandelt und dort signiert: unhörbar für menschliche Ohren, resistent gegen Kompression2.

Die Erkennung ist probabilistisch. Der Detektor gibt drei mögliche Antworten: mit Wasserzeichen, ohne Wasserzeichen oder unsicher5.

So prüfst du ein Bild mit SynthID: Bild in die Gemini-App hochladen und @synthid eintippen. Gemini antwortet, ob das Wasserzeichen vorhanden ist. Das funktioniert auch mit Videos bis 100 MB6.

Die wichtigste Einschränkung: SynthID erkennt nur Inhalte, die mit Google KI erstellt wurden. Ein Bild aus Midjourney, DALL-E oder Stable Diffusion wird nicht erkannt7 - das System sucht ausschließlich nach seinem eigenen Wasserzeichen.

Eine große Lücke. Aber ein Anfang. Google plant, die Prüfung auf C2PA auszuweiten1, einen offenen Standard, der anbieterübergreifend funktioniert.

Was ist C2PA?

C2PA dokumentiert die Herkunft digitaler Inhalte8. Adobe, Microsoft, Leica und andere unterstützen den Standard bereits9.

Die Idee: Jedes Bild trägt kryptografisch signierte Metadaten - woher es stammt, wie es bearbeitet wurde.

Die Schwäche: C2PA-Metadaten lassen sich entfernen. Ein Screenshot, ein erneutes Hochladen auf Social Media - und die Credentials sind weg. SynthID überlebt solche Bearbeitungen, weil das Wasserzeichen in den Pixeln steckt. Beide Ansätze ergänzen sich.

Trotz aller Einschränkungen sind die Wasserzeichen robust gegen Zuschneiden, Kompression und Filter - genau die Bearbeitungen, die im Alltag passieren10. Für ein Bild aus einer WhatsApp-Gruppe oder einem Online-Artikel gibt es damit erstmals eine schnelle Prüfmöglichkeit.

Die Frage “Ist das echt?” wird bleiben. Aber wer sie stellt, muss sich nicht mehr auf Intuition verlassen.