Es ist nicht die AI, sondern dein Chef, der dich arbeitslos macht
- Hamburg, Germany
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Ich lese gerade Karen Haos Empire of AI und habe Sarah Wynn-Williams’ Careless People abgeschlossen.12 Beide Autorinnen zeichnen dasselbe Bild. Die Tech-Konzerne sind rücksichtslos und gewinnorientiert in einem Ausmaß, das ich selbst nicht für möglich gehalten hätte, und das brachte mich zu einer Erkenntnis, die Hao auch bei Hasan Minhaj formulierte.3 Es ist nicht die AI, die dich arbeitslos macht, sondern derjenige, der entschieden hat, eine AI-Lösung einzusetzen, um Menschen zu ersetzen.
Die Technologie an sich ist beeindruckend, aber wir vergessen zu oft, wie die Rechnung funktioniert. Wenn ein 100.000-Dollar-AI-Abo 500.000 Dollar Personalkosten ersetzt, wird es zum strategischen Investment, relativ unabhängig davon, wie gut es tatsächlich funktioniert.4 Executives werden solche Lösungen kaufen, das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann.
Es könnte anders aussehen. AI-Systeme könnten so designt sein, dass sie auf Menschen angewiesen bleiben, dass sie verstärken statt ersetzen. Aber das tun wir nicht. Wir designen Systeme, die autonom sein sollen und Menschen komplett eliminieren.
Das Geld muss zurückkommen
Dieses Narrativ liegt nicht in der Natur der Technologie, es liegt in der Natur der Investitionen. OpenAI verlor 2024 rund fünf Milliarden Dollar bei 3,7 Milliarden Umsatz.5 Laut Wall Street Journal erwartet das Unternehmen bis 2028 kumulative operative Verluste von 74 Milliarden Dollar.6 OpenAI gibt aktuell für jeden Dollar Umsatz 1,69 Dollar aus.
Dieses Geld muss irgendwie zurückkommen, die Investoren erwarten es. Und der einzige Weg, diese Summen zu rechtfertigen, führt über massive Einsparungen bei Personalkosten. Hao formulierte es bei Hasan Minhaj so, dass die Technologie bereits einen enormen Einfluss auf Jobs hat. Nicht weil sie tatsächlich in der Lage ist, Jobs zu ersetzen, sondern weil sie als fähig genug wahrgenommen wird, dass Executives Mitarbeiter entlassen.3 Manchmal rufen Unternehmen die Leute sogar zurück, weil die AI-Tools doch nicht gut genug waren, aber dann ist der Schaden schon angerichtet.
Social Media hätte auch anders designt werden können, mit mehr Guardrails, ohne Teenager in den Suizid zu treiben. Aber das war nicht das Ziel. Wynn-Williams beschreibt in Careless People, wie Facebook systematisch Nutzersicherheit dem Wachstum opferte und die Rolle der Plattform beim Rohingya-Genozid in Myanmar wissentlich in Kauf nahm, weil das Land kein attraktiver Wachstumsmarkt war.
Meine Prediction für 2025. Wir werden in den USA deutlich mehr Arbeitslosigkeit durch AI sehen, in Deutschland weniger stark. Vor allem aber werden wir sehen, wie immer mehr domänenspezifische Lösungen auf den Markt drängen, mit einer Energie, die darauf abzielt, hochbezahlte Jobs anzugreifen. Juristen, Softwareentwickler, Financial Analysts. Die lukrativen Berufe zuerst.
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Karen Hao, Empire of AI , Penguin Press, 2025 ↩︎
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Sarah Wynn-Williams, Careless People , Macmillan, 2025 ↩︎
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Karen Hao bei Hasan Minhaj, Will AI Take My Job? , Hasan Minhaj Doesn’t Know, September 2025 ↩︎ ↩︎
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Menlo Ventures, 2025: The State of Generative AI in the Enterprise , 2025 ↩︎
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CNBC, OpenAI sees roughly $5 billion loss this year on $3.7 billion in revenue , September 2024 ↩︎
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The Wall Street Journal via Fortune, OpenAI expects annual losses through 2028 , November 2025 ↩︎